Am Abend des 23.Januar 1936 machten sich einige Leute auf den Weg in die Krone. Sie kamen vornehmlich vom Speckzinke und der Diichgass. Ihr Treffen hatte nur einen Zweck: die Gründung der Fasnachtsgemeinde Mittelstadt. Vier Wochen später war die Mittelstadt schon aktive mit mehreren Wagen an der Heugumberfasnacht dabei. Und sie hatten schon ihr eigenes Mittelstadt-Lied, das Fritz Maxer (de Radio Mayer) eigens für seine Gemeinde komponiert hatte. Seit dem Gründungstag ist die Krone offizielle Rathaus der Mittelstädter. Obwohl die Gemeinde Mittelstadt in der glücklichen Lage war und ist, auf engstem Raum drei Wirtschaften zu haben, blieb sie der Krone als Rathaus treu. Die drei Wirtschaften in der Mittelstadt sind auch im Gemeindewappen verewigt: ein Kranz, ein Löwe und eine Krone zieren das Emblem. Der Mittelstädter Gmeiobe allerdings, wurde abwechselnd in einer der drei Wirtschaften, bzw. in deren Sälen, abgehalten. Dies bis zur Schließung des Saals im Kranz und dem Wegfall des Löwensaals 1970. Der Gmeiobe war bis 1987 auch gleichzeitig die Generalversammlung der Gemeinde Mittelstadt, an der der Bürgermeister, bzw. der Vogt und die anderen Amtsträger gewählt wurden. Über Jahre hinweg hat der Kronenwirt Hermann Döbele die Wahl in seiner Eigenschaft als Oberbürgermeister geleitet. Ratzfatz hat er dies zur Freude der anwesenden Mittelstädter immer durchgezogen, denn diese erwarteten schon den Bürgernutzen, den es nach dem amtlichen Teil des Abends zur verzehren galt. Im Laufe des Abends wurden auch die Tätigkeitsberichte der Hebamme, des Polizisten und des Schermusers zum Besten gegeben. Seit 1988 wird die Generalversammlung der Vogtei Mittelstadt außerhalb des Chappeobe abgehalten. Die Berichte von Polizist, Schermuser und Hebamme sind geblieben - und der Bürgernutzen. Ansonsten ist an die Stelle der Regularien einer offiziellen Generalversammlung eine fasnächtlich-humoristisches Programm getreten. Der ganze Chappeobe wird unter ein bestimmtes Motto gestellt, auf das die aufwändige Dekoration, die Kostüme und das Programm abgestimmt sind. Nach dem Ausfall der Fasnacht zwischen den Jahren 1940 und 1948 gab es bereits im Herbst 1948 einen schriftlichen Aufruf durch den Bürgermeister an die Bewohner Mittelstadt, die fasnächtlichen Aktivitäten wieder aufzunehmen. Dazu mussten sie nicht zweimal aufgerufen werden. Das in den Kriegsjahren verschollene Mittelstadt-Lied ist allerdings erst wieder Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts aufgetaucht.


Kurz nach dem Kriegsende kam es zu "ernsthaften" Reibereien zwischen der Mittelstadt und der Gemeinde Obertal. Dem offiziellen "Bestands- und Nichtangriffspakt", den die Obertäler 1950 der Mittelstadt angeboten, folgte 1951 eine nicht sehr schmeichelhafte Retourkutsche (siehe nächste Seite). Eskaliert ist das Ganze, als der Mittelstädter Herbert Kummle die offiziellen Akten des Obertal an sich nahm (man könnte auch sagen "klaute"). Dieser Eklat führte 1962 zum ersten Narrengericht zwischen den beiden Fasnachtsgemeinden. In der Folge gab es jährlich, bis 1996, immer wieder genügend Zwischenfälle, die am Fasnachtsmontag vormittags entweder im Rathaus Dreikönig oder in der Krone eine Verhandlung von dem Narrengericht zwingend notwendig machte. 


Bereits vor dem zweiten Weltkrieg hatte die Mittelstadt eine eigene Garde: die sogenannte Hildengarde. Der Name bezog sich auf eine damalige Bedienung im Löwen namens Hilde. Bei den Umzügen und anderen Veranstaltungen marschierten die Mittelstädter immer mit den hübschen Mädchen der Hildengarde auf. 


Die Mittelstadt, die mit die ältesten und ursprünglichsten Zeller Gebiete präsentiert, brachte immer wieder Originale hervor. Erinnert sei an dieser Stelle an den August Kummerer (de Kummerer Gusti). Er war Mittelstädter mit Leib und Seele. Am Gmeiobe saß er immer direkt am Eingang der Krone, um zu kontrollieren, dass ja kein Nicht-Mitglied Eintritt erschlich. Mit gleicher Leidenschaft verkaufte er auch die Mittelstädter Schnitzelbank. In erster Linie war er ein waschechter Fasnächtler und Schaffer in der Mittelstadt.


Tradition in der Mittelstadt hat das Frauenrecht. Seit 1954 wird dieser nachfasnächtliche Brauchtum gefeiert. Die Mittelstädter Frauen treffen sich in einer Wirtschaft am Samstag nach dem Aschermittwoch zu einem fröhlichen Nachtessen. Männer haben keinen Zutritt! Diese kommen dann notgedrungen in einer anderen Wirtschaft zusammen und trösten sich ebenfalls mit einem Essen und den dazugehörenden Getränken darüber hinweg, nicht bei den Frauen sein zu dürfen. Allerdings lassen sich die Frauen später am Abend immer erweichen und die Männer dürfen sich dazu gesellen, um den endgültigen Abschluss der Fasnacht zu feiern. Nur böse Zungen behaupten, dass die Männer nur kommen dürfen, um die Zeche der Gattin zu bezahlen.


Aus dem Buch "So sin mir - Die Zeller Fasnacht" von Uli Merkle



 


Wellemacher


 "Mir riiße ä Welle, wo's numme goht, mir Mittestädter sin uf Droht ..."


Dieses Lied erklang das erste Mal im Jahr 1964. Genauer am Gmeiobe der Mittelstadt im Löwensaal, als die neue Maskengruppe der Wellemacher von Gerhard Jung stimmungsvoll vorgestellt wurde. Fünf Wellemacher und zwei z'Nüniwiiber hatten auf der Bühne um ein Lagerfeuer Platz genommen. Die ersten Wellemacher waren Heiner Leimgruber, August Kummerer, Dieter Roth, Franz Zimmermann, Werner Dichtel und als z'Nüniwiiber Brigitte Kummle und Christa Roth. Die Idee für diese erste Zeller Maskengruppe nach den Schrätteli hatte Gerhard Jung. Auch das Wellemacher-Lied hat er gleich dazu geschrieben. Sein Beweggrund für eine Maskengruppe war, mehr Leben am Umzug direkt auf die Straße zu bringen, da der Umzug damals fast ausschließlich aus Wagen bestand. Mit den Wellemachern wollte er den Kontakt zwischen Umzugsteilnehmern und Zuschauern fördern. Dies ist ihm auch gelungen.


Der Entwurf der Masken stammt von Kurz Winkler. Das besondere daran ist, dass jede Maske anders ist. Es gibt heitere und ernste. Die ersten Masken der Gründungsmitglieder werden heute noch getragen. Die Wellemacherkostüme wurden allesamt von Ilse Greiner genäht. Die Figur des Wellemachers geht auf das Wellen machen zurück, eine Arbeit, die im 19. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet war. In jedem Haushalt wurde mit Holz geheizt, gekocht und gebacken. Das billigste Brennmaterial waren die Wellen, die jeder im Wald selber schlagen konnte. Praktisch jede bessere Hurscht konnte Wellen liefern. Wichtigstes Werkzeug war der Gertel, ein Hausmesser, mit dem man die dünneren Äste abschlug. Diese Wellen wurden auf handliche Längen gekürzt und zu Wellenbündeln zusammengebunden. Zum Afüüre wurden die ganzen Bündel in den Ofen gesteckt. Weil es beim Wellen machen an den Berghängen rund um Zell immer Durst und Hunger gab, gingen die Frauen regelmäßig zu ihren Männern und brachten ihnen ein Vesper. Daran erinnern in der Mittelstadt die beiden z'Nüniwiiber. Dass Wellemacher auch gerne Welle riiße, beweisen die Mittelstädter immer wieder aufs Neue. Streng waren die Sitten bei den Wellemachern in den Anfangsjahren. August Kummerer hatte immer eine Trillerpfeife mit dabei, um die Gruppe zusammen zu halten. Dass einer alleine in eine andere Wirtschaft ging, das gab es nicht. Der Guschti hat mit seiner Trillerpfeife das Kommando gegeben, wenn er den Wechsel in eine andere Wirtschaft für angebracht hielt. Schon von Beginn an waren auch Kinder und Jugendliche bei den Wellenmachern dabei. Zur Zeit sind 15 Jung-Wellemacher aktive.  


Text aus dem Buch "So sin mir - Die Zeller Fasnacht" von Uli Merkle


Die Maskengruppe setzt sich heute aus sieben Wellemacher und drei z'Nüniwiiber zusammen. Ober-Wellemacher ist Alexander Rümmele.



Bildquelle: http://ais.badische-zeitung.de/piece/05/22/d9/92/86170002.jpg (25.11.2015)